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Rocco ist Welmeister

Rocco ist Weltmeister

Mit Herz und Fäusten

Rocco Cipriano ist nach dem Punktsieg gegen den Holländischen Profi-Kickboxer Mohamed Mojahid neuer Kickbox-Weltmeister nach WPKC.

Rocco Cipriano ist am Ziel seiner Träume: Zum Palmarès des Wohlers gehört seit Samstag ein WM-Titel. Der Lohn für 15 Jahre harte Arbeit.

Lese die Zeitungsberichte unter "PR"

WM-KAMPF 26.4.2003

Kickboxen a3 



Fotos WM-KAMPF



Bericht WOHLER ANZEIGER


1. Artikel (Kampf):

Als sich alles drehte, siegte das Herz

Rocco Cipriano ist nach dem Punktsieg gegen den Holländischen Profi-Kickboxer Mohamed Mojahid neuer Kickbox-Weltmeister nach WPKC.
Neun Runden lang schenken sich Rocco Cipriano und Mohamed Mojahid nichts. Beide stecken harte Schläge ein, müssen zu Boden, stehen aber immer wieder auf. Am Ende siegt Ciprianos Herzblut und unbändiger Willen. Der 34-jährige Wohler ist neuer Weltmeister.

Was sich nach dem letzten Gong im und rund um den Ring in der Basler Pfaffenholzhalle abspielt, kriegt Rocco Cipriano gar nicht mehr richtig mit. Er ist gezeichnet von den neun langen Runden, physisch und psychisch fertig. Im Angesicht des Marokko-Holländers Mohamend Mojahid kämpfte er wie ein Löwe. Als der Ringrichter die Kämpfer zur Urteilsverkündung an den Händen fasst, wirkt Cipriano indes fast hilflos. Dann steigt sein rechter Arm erlösend nach oben: Rocco Cipriano ist neuer Weltmeister.
Die drei Kampfrichter, unter ihnen der Wohler Sepp Wildi, entscheiden mit 2:1 Stimmen für Cipriano (Rinaldo Rinaldi vom italienischen Verband wertet ein 86:86-Unentschieden). In Wildis Bewertung siegt Cipriano mit vier Punkten Vorsprung. «Rocco kämpfte insgesamt mit mehr Power, zeigte sich aggressiver und engagierter. Seine Schläge trafen präzise», so Wildi.

Cipriano steigert sich
mit jeder Runde
Mojahid spielt seine Stärke, die Beintechnik, wie erwartet, vor allem in der Startphase aus. Doch Cipriano lässt sich davon nicht aus dem Konzept bringen. Ihm unterlaufen zwar einige Fehler (Halten), die ihn später auch zwei Verwarnungen, beziehungsweise zwei Minuspunkte kosten. Doch er steigert sich mit jeder Runde und überrascht seinen Gegner mit einer variantenreichen Technik. Gleich dreimal holt er den nordafrikanischen Meister mit einem «Feger» von den Beinen. Die vielen mitgereisten Wohler Fans gehen mit Cipriano mit, glauben an seinen Sieg.
Mojahid ist in den ersten vier Runden etwas aktiver, bringt immer wieder seine Beine an Ciprianos Körper. «80 Prozent seiner Schläge konnte ich problemlos abfangen», meint Cipriano nach dem Fight. «Ein paar unberechenbare Treffer musste ich aber einstecken. Mojahid war unberechenbarer als erwartet.» Die Konsequenz: Cipriano geht Ende der vierten Runde zum einzigen Mal zu Boden, wird aber nicht angezählt.
Der Kampf bleibt auch im zweiten Teil auf einem hohen Rhythmus, Verschnaufpausen können sich die beiden Kämpfer nicht leisten. Das kommt Mojahid teuer zu stehen. Denn Ciprianos Rechnung, das Zepter in der zweiten Hälfte an sich zu reissen, geht auf. Der mehrfache Schweizer Meister im Boxen findet vor allem mit seinen Fäusten immer wieder Lücken in der Deckung seines Gegners. Dieser torkelt, die Standfestigkeit seiner Beine lässt nach.
Die Wende in der siebten Runde: Mojahid muss nach knapp zwei Minuten erstmals zu Boden. Der Pegel in der Wohler Fanecke mit Gemeindeammann Walter Dubler steigt. Der Titel scheint greifbar, selbst ein vorzeitiger Sieg durch K.o. ist möglich.

«Das Boxen hats ausgemacht»
Mojahid aber beweist Nehmerqualitäten. Auch nachdem er in Runde acht zum zweiten Mal Bekanntschaft mit dem Ringboden macht, gibt er nicht auf. Das Geschehen aber bestimmt in den letzten drei Runden einzig Cipriano. «Das Boxen hats am Ende ausgemacht», sagte er nach dem Kampf.
Doch ausgestanden ist es auch mit dem letzten Gong nicht. Schon im Februar, als er in seinem ersten WM-kampf Corrado Sestito überzeugt hatte, gabs bei der Urteilsverkündung eine böse Überraschung. Umso schöner ist der Moment, in dem der Weltmeister ausgerufen wird, für Cipriano und seine Fans. Es ist der Lohn für 15 Jahre harter Arbeit.



2. Artikel (Reaktionen)

«Ich glaubte, mir platzt die Lunge»
Nach dem Titelgewinn gingen die Emotionen hoch – Freudentränen und -tänze bei Rocco Cipriano und seinen Fans

Rocco Cipriano hat sich mit dem WM-Titel einen Traum erfüllt: Kein Wunder gingen die Emotionen nach dem Kampf hoch. «Ich habe mein grosses Ziel nach 15 Jahren erreicht», sagte Cipriano.

«Als wir beide fix und fertig waren, konnte ich am Maximum weiterkämpfen.» Rocco Cipriano sagte in einem Satz, wieso er sich gegen Mohamed Mojahid hatte durchsetzen können. Obwohl er «härter war, als ich erwartet hatte.»

«Die letzte Runde nur
mit Herz überstanden»
In der letzten Pause habe sich denn auch alles gedreht. In den Beinen, im Kopf und im Magen. «Die letzte Runde habe ich nur noch dank dem Herz durchgehalten. Der Körper war platt», so Cipriano. Ab der vierten Runde habe ihn ein Gefühl eingenommen, das er bisher noch nie erlebt gehabt hätte: «Es pumpte und vibrierte. Ich dachte, ich kann nicht mehr. Der Puls war längst im Nirgendwo. Ich glaubte, mir platzt jetzt gleich die Lunge.»
Erst mit der Ruhe der Kabine 11 realisierte Cipriano, was er erreicht hatte: «Ich habe mein grosses Ziel nach 15 Jahren erreicht.» Um im gleichen Atemzug zu sagen: «Ich glaube, ich muss mich gleich übergeben.» Der Kampf hatte ihm sowohl mental wie körperlich alles abverlangt. Doch das war dem 34-Jährigen zu diesem Zeitpunkt egal. Er war Weltmeister. Seinen wichtigsten Helfer vergass er aber nicht: «Ohne Marco Pranovi, der x-mal nach Italien gefahren ist, um den Kampf auf die Beine zu stellen, würde ich heute nicht hier stehen.»

«Gegen Ende sah Mojahid
wirklich alt aus»
Der Wohler Sepp Wildi, in Basel als Kampfrichter im Einsatz, stellte Cipriano ein gutes Zeugnis aus: «Der Sieg ist verdient. Er hat im ganzen Kampf stets die Übersicht behalten und in jeder Runde zugelegt. Gegen Ende sah Mojahid wirklich alt aus, auch wenn
er sich nicht immer zu Unrecht beschwerte. Die eine oder andere Runde mehr und Mojahid wäre wohl gefallen.»

«Für die Jungen in
Wohlen ein Vorbild»
Den neuen Weltmeister hautnah miterlebt hat auch Wohlens Gemeindeammann Walter Dubler. Er, eigentlich ein Fussballfan, zeigte sich von Ciprianos Leistung beeindruckt: «Er ist der richtige Sieger.» Er sei vor allem wegen des Typen Rocco Cipriano nach Basel gereist. «Ein sympathischer und feiner Kerl, der für die Jungen in Wohlen eine Vorbildrolle einnimmt», hielt Dubler fest. Er schätze Cipriano. «Bei ihm spürt man das Zusammengehörigkeitsgefühl mit Wohlen.»
Die Zukunft? «Das muss Rocco entscheiden», sagte seine Frau Giusi, die mit dem sieben Monate alten Sohn Roy am Ring die Daumen drückte. Cipriano selbst wollte sich nicht festlegen: «Wir werden sehen, was sich jetzt ergibt. Die Voraussetzungen sind ja nicht mehr die gleichen.» Stimmt, denn der WM-Titel nach WPKC (World Professional Kickboxing Council) öffnet Cipriano vielleicht auch die Tore für einen Titelkampf im grössten Kickbox-Verband der Welt, der World Kickboxing Association (WKA). Es ist kein Geheimnis, dass Cipriano mit einem solchen Kampf liebäugelt.

Titelverteidigung in Wohlen?
Denkbar ist auch eine Titelverteidigung des WPKC-Titels. Warum nicht in Wohlen? «Wenn jemand gefunden wird, der den Anlass organisiert, wäre das sicher eine tolle Sache», findet Gemeindeammann Dubler. «Die Hofmattenhalle wäre ideal.» Cipriano hoffte schon immer, einmal in Wohlen kämpfen zu können. Als Weltmeister wäre es nun höchste Zeit. Und die Fans – in Basel waren es gut 200 – würden in Scharen kommen.
Das Karriereziel hat Cipriano am letzten Samstag erreicht. Wie wärs mit einer Zugabe vor Heimpublikum?

Weiterer WM-Titelkampf für Rocco


Rocco erhält nach dem umstrittenen WM-Kampf gegen Corrado Sestito Anfang Februar im italienischen Busto Arsizio eine zweite Chance: Er kämpft am 26. April in Basel (Sportzentrum Pfaffenholz) im Rahmen der traditionellen Thaibox-Gala "Fight of the Titans" um den Full-Contact-WM-Titel nach WPKC (bis 61.5 Kg). Gegner ist Mohamed Mojahid, gebürtiger Holländer und nordafrikanischer Meister im Full-Contact und Thai.


Cipriano vs Mojahid

Sportzentrum Pfaffenholz, Basel 26. April 2003