Wohler Anzeiger: Mit perfekten Vorstellungen hat sich Rocco zum dritten Mal den Meistertitel im Boxen gesichert!
Bericht Wohler Anzeiger
-Dani Marti-
Ein Champion mit viel Klasse
Der Wohler Rocco Cipriano holte seinen dritten Schweizer-Meister-Titel im Boxen Mit zwei perfekten Vorstellungen hat sich Rocco Cipriano zum dritten Mal in seiner Karriere den Meistertitel im Boxen gesichert. Sowohl im Halbfinal wie auch im Final gewann der 35-Jährige klar nach Punkten.
Für ihn, den Kickboxer, sei es eine wichtige Bestätigung. «Denn ich will in der Schweiz im Boxen und im Kickboxen die Nummer eins sein», erklärte Rocco Cipriano nach dem Titelgewinn in Baden. Bereits eine Woche zuvor hatte er sich für die Endausmarchung qualifiziert. In souveräner Art und Weise. Und an dieser Gangart hat er auch im Halbfinal- und im Finalkampf angeknüpft.
Eigentlich sei es besser gelaufen, als er erwarten durfte. Und beide Fights seien ähnlich verlaufen, so Cipriano. Seine Gegner konnten in den ersten drei Runden einigermassen mithalten, in der Schlussrunde sind sowohl Igor Silva im Halbfinal wie auch Irfan Murselli im Final eingebrochen. Cipriano besiegte beide Tessiner klar nach Punkten, 7:1 beziehungsweise 11:2.
Krönung der Boxkarriere und nun der WM-Kampf in Wohlen
Er habe in der vierten Runde mit seinem Gegner fast spielen können, sagte er nach dem Goldmedaillengewinn. Ohne jedoch überheblich zu werden. Er sei nicht auf ein Zermürben oder einen K.-o.-Sieg aus gewesen, erklärt Cipriano weiter. Der Wohler wurde somit seiner Favoritenrolle gerecht.
Üblicherweise boxt er in der Klasse bis 64 Kilogramm. Dieses Mal brachte er vor den Meisterschaften 61,5 Kilogramm auf die Waage und hat sich entschieden, auf 60 Kilogramm abzuschwitzen. Es sei für ihn jedoch eine weitere Bestätigung, dass er den neuen Schweizer Meister in der Kategorie bis 64 Kilogramm, Martino Ciano aus Bern, auch schon besiegt hat. Cipriano war es auch, der als Einziger der Aargauer Mitfavoriten zum Titel kam. «Dies freut mich vor allem für meinen Verein, den Boxclub Brugg.»
Ein gewisses Alter bedeutet eben nicht nur Reife und Routine, sondern auch Qualität und Klasse. Und dies hat der Wohler Fighter nun zum x-ten Mal bewiesen. Im Boxen auf nationaler Ebene wohl auch zum letzten Mal. Denn altershalber ist für ihn Schluss, ausser er würde eine Profilizenz lösen. Das hat er jedoch nicht im Sinn. So gesehen sei der Titelgewinn eine «sehr gute Krönung. Auch darum ist mir sehr viel daran gelegen, dass es geklappt hat.» Nun konzentriert sich Rocco Cipriano voll und ganz auf seine Kickboxkarriere.
Mit gutem Grund. Denn am 17. Januar 2004 steigt bekanntlich in Wohlen für den Weltmeister des Verbandes WPKC sein WM-Kampf um den vakanten WKA-Titel (siehe auch Ausgabe vom letzten Freitag). Boxen sei für ihn als Kickboxer sehr wichtig. «Und wenn du in beiden Sportarten in der Schweiz nicht die Nummer eins bist, dann kannst du ja auch nicht um den WM-Titel im Kickboxen mitreden», so sein ehrgeiziges Statement. «Auch deshalb ist dieser Titelgewinn für mich eine sehr wichtige Bestätigung.»
--dm
Bericht AZ
© Aargauer Zeitung / MLZ; 2003-11-04; Seite 1
Brugg
Verbissene Kämpfe, gelöste Gesichter
BRUGG · Beobachtungen beim Besuch einer Boxveranstaltung
Freundliche Begrüssung am Kassen-Stand: «Aha, Sie kommen von der Zeitung. Das freut uns aber. Hoffentlich unterhalten Sie sich gut. Wir danken Ihnen für Ihr Interesse.» Der Zutritt zum Saal der Freudenstein-Turnhalle ist verstopft, aber die Menschen treten höflich zur Seite, um den Weg freizugeben. Es riecht nach Dul-X. Und nach einem Eau de Toilette. Und auch ein wenig nach Schweiss.
Die Halle ist gut besetzt. In der Mehrheit sind es Männer, viele von ihnen dunkelhaarig, mit gestylter Frisur. Sie beobachten aufmerksam das Kampfgeschehen. Zwei leichtgewichtige Boxer dringen aufeinander ein. Ab und zu ein anspornender Zuruf, dann etwas Applaus und unartikulierte, anerkennende Laute. Dort drüben sitzt in Freizeitkleidung der Stadtammann, ganz allein. «Ich staune schon, wie sich die Jungen hier engagieren, wie sie Kampfgeist zeigen.» Später stellt er sich während einer Kampfpause in den Ring und ergreift das Wort: «Ich freue mich, dass die Halbfinals der Schweizer Meisterschaften hier in Brugg ausgetragen werden. Seien Sie herzlich begrüsst in unserer Stadt. Und jetzt verlasse ich den Ring wohl besser wieder, sonst komme ich noch ‹drunder›.»
Am Ring sitzen die Offiziellen. Einer von ihnen bietet einen Stuhl an und signalisiert Gesprächsbereitschaft. Armin Bracher sei sein Name, und er komme von der «Trotte» in Mülligen. Es stellt sich heraus, dass er sich in jungen Jahren ebenfalls als Boxer versucht hat. «Und wie weit haben Sie es gebracht?» - «Bis in die Finalkämpfe. Um ganz erfolgreich zu sein, war ich wohl zu wenig böse.» - «Muss man denn böse sein, um im Boxen Erfolg zu haben?» - Er lacht gutmütig und sagt: «Eigentlich könnten wir uns duzen.»
Der Geräuschpegel schwillt an. Der für den Box-Club Brugg startende Wohler Rocco Cipriano besteigt den Ring. Nicht einmal ein Monat ist verstrichen, seitdem er wegen einer Verletzung den Kampf um den Interkontinental-Titel im Kickboxen verloren hat. Locker, austrainiert, selbstsicher stellt er sich seinem Gegner, einem Mann aus Lugano. Er mustert ihn mit klugen Augen. Dann gehts los. Die technische Überlegenheit des Einheimischen ist offensichtlich. Der andere steht die Sache zwar durch, doch am Ausgang des Treffens gibt es keinen Zweifel: Cipriano kann einen weiteren Sieg verbuchen. Begeisterung unter seinen Fans. Und da drängt sich sogar das Fernsehen vor und holt den Mann ins Bild. Der lacht, nimmt eine seiner Sportart entsprechende Pose ein und klettert dann aus den Seilen. Im Kampf war er noch hundertprozentig konzentriert. Jetzt ist er gelöst wie nach einem erfrischenden Bade.
Noch ein Rundgang durch den Saal. Eine hübsche junge Frau steht mit besorgter Miene in der Ecke. «Jetzt kommt er dann gleich dran. Ach, ich wünschte, dass es schon vorbei wäre.» Eine kleine Gruppe von vielleicht 30-jährigen Männern zieht es vor, stehen zu bleiben. Sie kommentieren das Äussere und den Boxstil der Kämpfer. Keine dümmlichen oder gar abfälligen Bemerkungen, sondern ein sachkundiges und respektvolles Begutachten der Aktionen. Überhaupt ist nichts von Häme zu hören und zu spüren. Keine geifernden Dummköpfe, kein Gegröle, kein verulkendes Gejohle. Die Atmosphäre ist absolut sportlich. Im Ring und auch im Saal. - Der Stadtammann ist verschwunden. Nein, dort hinten sitzt er und unterhält sich mit einem Mann, der mir bekannt vorkommt. Richtig: Es ist der frühere Box-Schweizer-Meister Walter Grimm vom Box-Club Brugg. Der freut sich darüber, dass man ihn immer noch erkennt. «Darf ich Sie zu einem Gläschen einladen?»
Hat es Ihnen gefallen? Wissen Sie, wir stehen bei vielen Menschen als einfältige Schlägertypen da. Wir müssen permanent gegen solch negative Vorurteile ankämpfen. Es wäre schön, wenn sich die Leute ein eigenes Bild machen würden, bevor sie sich ein Urteil bilden.»
Schade, dass ich schon gehen muss. Ich würde gerne noch bleiben. (pbe)































