WM-Gala Wohlen Zeitungsberichte

WM-Kampf vor der Haustüre

Wohler Anzeiger -philipp Stöckli-

Rocco kämpft am 17. Januar 2004 in Wohlen um die WM-Krone
Rocco Ciprianos Traum wird wahr: Am Samstag, 17. Januar 2004, wird der Kickboxer in der Wohler Hofmattenhalle um den Weltmeister-Titel des ältesten Verbandes der Welt, der WKA, kämpfen. Präsentiert wird die Gala von «Wohler Anzeiger» und «Bremgarter Bezirks-Anzeiger».

Den Samstag, 17. Januar sollten sich Kampfsportfans und Neugierige vormerken. Dann wird Rocco Cipriano in der Wohler Hofmattenhalle um den WM-Titel der WKA (World Kickboxing Association) kämpfen. Es wird der Höhepunkt einer feinen Gala sein, an der auch der Wohler Kickbox-Schweizer-Meister Franco Caruso und die Schweizer Box-Hoffnung Yves Studer aus Spreitenbach in den Ring steigen werden.


Cipriano geniesst in und um Wohlen grosse Sympathien
Als Rocco Cipriano am 26. April in Basel Mohamed Mojahid besiegte und Weltmeister wurde, entstand im Hause «Wohler Anzeiger» und «Bremgarter Bezirks-Anzeiger» die Idee, einen WM-Kampf in Ciprianos Wohnort Wohlen zu organisieren. Erste Abklärungen machten deutlich, dass Cipriano in und um Wohlen grosse Sympathien geniesst. Firmen und Privatpersonen erklärten sich bereit, den Anlass finanziell mitzutragen.

«Für mich geht mit dem WM-Kampf in Wohlen ein Traum in Erfüllung», freut sich Cipriano auf die Gala vor der eigenen Haustüre. Er wird am 17. Januar nicht seinen im April gewonnenen Titel der WPKC (World Professional Kickbox Council) verteidigen, sondern um die WM-Krone der WKA, einer der zwei grössten und wichtigsten Kickbox-Verbände der Welt kämpfen. Der Gegner steht noch nicht definitiv fest. Im Gespräch sind ein Kämpfer aus Ungarn und einer aus England.


Ein Heimspiel für den Champion
Rocco Cipriano bestreitet am 17. Januar 2004 einen WM-Kampf in Wohlen
Nach 15 Jahren Kampfsport erfüllt sich für den Kickboxer Rocco Cipriano ein Traum: Der Wohler kommt am 17. Januar 2004 zu einem Heimspiel der besonderen Art. Er erhält die Chance, vor eigenem Publikum in der Hofmattenhalle Wohlen WKA-Weltmeister zu werden.
Philipp Stöckli

Was der verstorbenen Wohler Kampfsportlegende Andy Hug in den Jahren 1997 und 1998 im Superschwergewicht gelang, könnte sein früherer Trainingspartner Rocco Cipriano am 17. Januar 2004 im Leichtgewicht erreichen: einen Weltmeister-Titel der World Kickboxing Association (WKA), des ältesten und bekanntesten Verbandes der Kickbox-Welt.


Wenn er sich mit dem grossen Kampf in Wohlen befasse, denke er auch an Andy, sagte Cipriano anlässlich eines Sponsorenapéros am letzten Dienstag. Für ihn, der im April schon Weltmeister des World Professional Kickboxing Council (WPKC) geworden war, setzt der Heimkampf in elf Wochen noch einen drauf. «Es ist das Schönste, was mir passieren konnte. Ich hätte nie damit gerechnet», sagt der Familienvater.«Ich bin überwältigt vom positiven Echo»
Möglich machen diese Gala der Veranstalter «Wohler Anzeiger» und «Bremgarter Bezirks-Anzeiger» sowie eine Reihe von Sponsoren (siehe Kasten), die das Projekt finanziell mittragen. «Ich bin überwältigt vom positiven Echo. Bisher musste ich das Geld immer zusammenkratzen, damit ich überhaupt kämpfen konnte. Dass ich nun so grosszügig unterstützt werde, ist für mich eine riesige Motivation. Und eine schöne Bestätigung, dass ich es in den letzten 15 Jahren richtig gemacht habe», erklärt Cipriano. Nebst seiner eigenen Sportkarriere trainiert er Wohler Kids in der von ihm aufgebauten Kickboxing-Schule.


«Bin scharf auf diesen Kampf»
In der Hofmattenhalle, die dank Zusatztribünen rund 1500 Zuschauern Platz bieten soll, werde es alles geben, um nach den zwölf Runden über zwei Runden (oder auch früher…) den WM-Gürtel in die Höhe stemmen zu können. «Ich bin richtig scharf auf diesen Kampf», sagt der Wohler. Für einen Titelkampf in Wohlen ist Cipriano nur das Beste gut genug. Deshalb entschloss er sich, nicht seinen WPKC-Titel zu verteidigen, sondern um die WM-Krone der höher dotierten WKA zu kämpfen.

Sein Gegner steht noch nicht fest, Ciprianos Manager und Freund Marco Pranovi steht derzeit in Verhandlungen mit dem Präsidenten der WKA, dem Engländer Paul Ingram. Ein möglicher Kandidat ist Gabor Kiss, ungarischer Landesmeister im Kickboxen sowie im Boxen.


Adel Abdel-Latif als Moderator
Der WM-Kampf wird den Abschluss einer kleinen, aber feinen Gala bilden. Vor Ciprianos grossem Auftritt werden verschiedene Rahmenkämpfe dem Publikum einheizen. Mit von der Partie sind unter anderen die Schweizer Boxhoffnung Yves Studer und der Wohler Franco Caruso, der vor wenigen Wochen in Lugano Schweizer Meister im Vollkontakt-Kickboxen geworden ist. Moderiert wird der Abend von Adel Abdel-Latif. Der Mister Schweiz 1996, der heute im Kantonsspital Winterthur als Arzt praktiziert, ist selbst erfolgreicher Kickboxer und erreichte am letzten Wochenende an den Amateur-Weltmeisterschaften in Paris den starken neunten Rang. Die Gala sei eine tolle Sache, er freue sich auf den Event, so der 32-Jährige.


«Seven» als Liveact
Wie für Cipriano ist die Gala auch für Jan Dettwyler, in der Musikszene besser als «Seven» bekannt, ein Heimspiel. Der Solokünstler aus Wohlen wird das Publikum zwischen den Kämpfen mit seiner unverwechselbaren Stimme begeistern.

Kickboxen, WM-Kampf Rocco Cipriano am 17. Januar 2004 in Wohlen (Hofmatten). Der Vorverkauf startet Mitte Dezember im Fitnesscenter Vitasport in Anglikon.

SPONSOREN:
Diese Sponsoren machen es möglich

Die Kampfsport-Gala mit dem WM-Kampf von Rocco Cipriano ist nur dank der finanziellen Beteiligung von Sponsoren realisierbar. Neben dem Veranstalter «Wohler Anzeiger» und «Bremgarter Bezirks-Anzeiger» unterstützen folgende Firmen den Event vom 17. Januar 2004:

  • Ciriaco Sforza, Fussballer 1. FC Kaiserslautern, Wohlen
  • Robert Huber AG, Philipp Zumstein, Villmergen
  • Wagner Schriften GmbH, Michel Wagner, Wohlen
  • McDonald’s, Beat Zobrist, Bremgarten
  • Immobilien Management, Monika Steiner, Bremgarten
  • Notariatsbüro, René Meier, Wohlen.
  • Vitasport AG, Marcel Hänggi, Anglikon
  • O. Braunwalder AG, Cornel Braunwalder, Wohlen
  • Bernhard Hegi AG, Bernhard Hegi, Wohlen
  • Art Fischbach, Pius Fischbach, Villmergen
  • Neue Aargauer Bank, Hans Hübscher, Wohlen
  • Berimo AG, Roman Lindenmann, Wohlen
  • Café Bar Ibarus, Gregi Mantella, Wohlen
  • Architekturbüro, Urs Müller, Wohlen
  • Maurer- & Gipsergeschäft, Eugen Räber, Wohlen
  • Jura-Garage, Urs Dubler, Wohlen
  • Architekturbüro Killer, Thomas Killer, Sarmenstorf
  • Sound Arena, Stefan Gürber, Wohlen
  • Sorex Baumarktprodukte, Yves J. Burkhardt, Reiden (LU)

Zeitungsberichte Aargauer Zeitung

© Aargauer Zeitung / MLZ; 14.01.2004; Seite 1

Sport Aargau
Die Gala, die er sich gewünscht hat

KICKBOXEN · Rocco Cipriano kämpft am Samstag um den WKA-WM-Titel bis 59 kg

Trotz «Fränzi», «Gerda» und «Hanne» erlebt Rocco Cipriano gegenwärtig die Ruhe vor dem Sturm. In drei Tagen tritt er beim Heimspiel in Wohlen gegen Fatih Kademlioglu an.

Patrik Schneider

Eine Ferienwohnung im Schwarzwald dient Rocco Cipriano, seiner Frau Giusi und Sohn Roy derzeit als Zufluchtsort. Weg vom Zuhause, das sei bisher vor grossen Kämpfen immer die beste Lösung gewesen. Vier Tage in Abgeschiedenheit, das ist jedoch auch für ihn neu. Und es zeigt, wie wichtig ihm der lang ersehnte Heimauftritt ist. «Ich brauche jetzt einfach meine Ruhe», sagt der 35-Jährige zwei Tage vor seiner Abreise. Die Müdigkeit ist ihm nach einer intensiven Vorbereitung anzusehen, sein Gesicht wirkt bleicher als sonst. Er habe in letzter Zeit wenig geschlafen, erklärt Cipriano - und wehrt sogleich ab: «Nein, nicht aus Nervosität.»

Trainieren will er im temporären Exil nicht mehr. Zu schnell hätten die Oberarme gegen Ende der Vorbereitung jeweils gebrannt. Cipriano hat sich und seinem Körper vor dem WM-Duell am Samstag in der Wohler Hofmattenturnhalle absolute Ruhe verschrieben. Über maximal zwölfmal zwei Minuten geht der Titelkampf nach WKA-Version. Eine gute Kondition ist daher eine der Hauptvoraussetzungen.

Die World Kickboxing Association ist mit 128 Mitgliederländern der weltweit grösste - und der prestigeträchtigste - Verband. In der Schweiz hat ihn Andy Hug, Ciprianos früherer Trainingspartner, mit seinem Titelgewinn in der Schwergewichtsklasse ins Rampenlicht gerückt. Vergleichen will sich der 35-jährige Wohler mit dem ehemaligen K1-Champion nicht, der WKA-Titel wäre aber nicht zuletzt deswegen ein Karrierehöhepunkt. «Die letzten ein, zwei Jahre waren als Ganzes gesehen unglaublich.» Cipriano denkt dabei an seinen ersten, unverhofft zustande gekommenen (und erfolgreichen) Profikampf gegen Europameister Max Calzolai, an die skandalöse Entscheidung im Titelkampf gegen Corrado Sestito in Italien, an die Krönung mit dem WPKC-WM-Titel im Duell mit dem Afro-Holländer Mohamed Mojahid. «Der Kampf in Wohlen», sagt Cipriano, «ist für mich die Kirsche auf der Torte.»

In der Nacht auf Samstag werden fünf Lastwagen das Material für die zwei Tribünen mit einer Kapazität von 1200 Plätzen sowie für die gesamte Licht- und Tonanlage Richtung Hofmatten transportieren. Noch vor einem halben Jahr hätte er nicht einmal im Traum an eine solche Chance geglaubt. Was den finanziellen Aufwand betrifft, gehört die Kampfsport-Gala nach der Sound Arena zu Wohlens grössten Veranstaltungen der letzten Jahre. Das Budget von 70 000 Franken wird vom Veranstalter «Wohler Anzeiger» und von zwanzig Sponsoren getragen, Ciprianos Gage ist direkt vom erwirtschafteten Gewinn abhängig.

Wichtiger als Geld ist ihm jedoch der Titel. Will man seinem Gegner Glauben schenken, kann er sich diesen von Beginn weg in den Wind schreiben. «Ich komme nicht zum Spass in die Schweiz. Ich werde siegen», sagt Fatih Kademlioglu selbstbewusst. Er stehe nicht unter Stress oder Erfolgsdruck, «und ich brauche niemandem etwas zu beweisen». Der 35-jährige Türke, der seit 25 Jahren in Berlin lebt, hat nach einer Knieoperation und einer einjährigen Wettkampfpause im September das Training wieder aufgenommen. Genug Zeit, um Kondition und Kraft zurückzugewinnen.

Kademlioglu sieht seine Stärken eher im Boxen. Im Wissen, dass Cipriano auch in dieser Sparte etliche Schweizer-Meister-Titel errungen hat, prophezeit der vier Tage ältere Gegenspieler einen «wunderschönen Kampf». Und sofern sich keiner verletze gehe dieser «mit Sicherheit über 12 Runden».

Professionell Rocco Cipriano hat sich vor dem Titelkampf fotografisch ins rechte Licht rücken lassen. fotostudio gioia

«Ich komme nicht zum Spass in die Schweiz. Ich werde siegen»

Zeitungsbericht / Sengül

© Aargauer Zeitung; 15.01.2004; Seite 2

Lenzburg

Kampf mit Füssen, Fäusten und Köpfchen

PORTRÄT · Sengül Güzel, Kickboxing-Meisterin aus Othmarsingen, tritt am Samstag an der WM-Gala in Wohlen an

Seit Monaten trainiert die Di plommittelschülerin Sengül Güzel aus Othmarsingen mit viel Disziplin für ihren bevorstehenden Kampf an der WM-Gala in Wohlen. Die 19-Jährige kann bereits grosse Erfolge verzeichnen. Ein Trainingsbesuch.

Brigitte Widmer

Im Raum der Kickboxing-Schule Wohlen beginnt die Lektion mit lockerem Seilspringen. Eine Minute lang. Zuhinterst die Anfänger, vorne die Fortgeschrittenen mit ihren blauen, braunen oder schwarzen Gürteln. Sengül (sprich: Schengil) steht in der vordersten Reihe. Sie hat sich in den vergangenen Jahren langsam vorgearbeitet und ist stolz, an diesem Platz trainieren zu dürfen. Nochmals eine Minute Seilspringen, aber jetzt mit Tempo. Sengül Güzel ist 19 Jahre alt, ihr Körper gleicht der einer Balletteuse: gross, schlank, lange Beine. Doch vor fünf Jahren hat sie sich für Kickboxing entschieden. Eine Freundin wollte damals an ein Schnuppertraining, Sengül begleitete sie und beide blieben hängen. Seither besucht sie regelmässig die Kickboxing-Schule in Wohlen. «Es hat mir bei der ersten Lektion den Ärmel reingenommen.» Dreissig Sekunden Pause, dann wieder Seilspringen, Tempo nochmals steigern. Durchatmen, der Puls rast.

Meistertitel in Serie
Sengül verzeichnet bereits grosse Erfolge. In drei Jahren gewann sie regelmässig den Schweizer-Meister-Titel im Semicontact bis 60 Kilo. Letztes Jahr wurde sie Vizemeisterin im Fullcontact. Seit Monaten bereitet sie sich auf den Kampf vom Samstag gegen Brigitte Pfister (Biel) im Fullcontact vor. Nach einer Viertelstunde werden die Spring-seile weggelegt, es folgen deftige Dehn- und Kraftübungen. Normalerweise besucht die junge Frau zwei bis drei Trainings pro Woche. Momentan steht die aktive Sportlerin fünf, sechs Abende in der Halle. Wettkämpfe seien eine gute Sache. Man kann sich messen, sieht, wo man steht. Gewonnene Kämpfe geben ein wunderbares Erfolgsgefühl und stärken den Selbstwert. «Blaue Flecken und Niederlagen sind rasch vergessen und spornen mich erst recht zum Weitermachen an.» Kickboxen ist ein freundschaftlicher Sport. Die Verletzungsgefahr ist dank Sicherheitsausrüstungen an Kopf, Händen und Füssen sowie Zahn-, Schienbein- und Tief- bzw. Brustschutz gering. Je zwei Schüler setzen kraftvolle Fussschläge auf ein schwarzes Kissen: Technik-Training.


Es gibt Kraft und nimmt die Furcht
Die Faszination für den Sport liegt für Sengül in der Kombination der Techniken Karate und Boxen. Kondition, Kraft, Schnelligkeit, autogenes Training und Atemübungen; das Körpertraining ist ganzheitlich aufgebaut. Es gibt ihr Kraft und nimmt ihr Furcht. Sie weiss sich im Alltag zu wehren. Alles, was sie sucht, findet sie im Kickboxen. Der Sport gibt den Sinn.

Sengüls Name ist türkisch und bedeutet «fröhliche Rose». Die ersten vierzehn Lebensjahre verbrachte sie in Dottikon, wo sie die Bezirksschule absolvierte. Seit fünf Jahren wohnt sie mit Eltern, drei Schwestern und Bruder in Othmarsingen. Im Herbst 2002 wurden die Geschwister an der Gmeind in Othmarsingen ins Schweizer Bürgerrecht aufgenommen. Sie habe zwei Heimaten, meint sie stolz. «Daheim leben wir türkische Traditionen, doch meine Freundinnen sind Schweizerinnen.» Im Vergleich zu den Kolleginnen sei sie eher streng erzogen worden. Trotz ihrer Volljährigkeit kann sie nicht einfach alles ausleben. «Für manche Dinge, die für meine Kolleginnen selbstverständlich sind, muss ich meine Eltern um Erlaubnis fragen.» Doch was ihr wirklich wichtig ist, setzt sie durch. Ihre Wertschätzung der Eltern ist sehr gross. «Alten Menschen Respekt zeigen, jungen Menschen Liebe geben.» Nach diesem türkischen Sprichwort versucht sie zu leben. Eltern und Geschwister sind ein Vorbild. Die ganze Familie unterstützt sie bei ihrem Hobby, chauffiert Sengül zum Training, begleitet sie an Wettkämpfe.

Im Trainingssaal folgen Übungen im Luft- oder Schattenboxen. Sengül beobachtet aufmerksam im grossen Saalspiegel das Geschehen um sie herum. Plötzlich fixieren ihre Augen den imaginären Partner. Auch Kickboxing-Schulleiter Rocco Cipriano (er kämpft am 17. Januar um den Weltmeistertitel der World Kickboxing Association) ist ein grosses Vorbild für Sengül. Seit 15 Jahren trainiert er gnadenlos seinen Körper. «Er zeigt uns, dass man es schaffen kann, wenn man etwas wirklich will.» Im Gegenzug beschreibt der Meister seine Schülerin als «musterhaftes Beispiel für unsere Schule». Nicht nur weil sie technisch gut ist, sondern weil ihr Charakter stimmt. Sie sei trotz ihrer Erfolge bescheiden geblieben.


Als Meister ist man Vorbild
Neben dem bevorstehenden Kampf möchte die Kickboxerin in diesem Jahr die Prüfung zum schwarzen Gürtel absolvieren. Dafür muss sie sich durch viele Aufgaben durchkämpfen. Sie vergleicht die Prüfung mit einer Lehre. Zusätzlich ist ein makelloser Auszug aus dem Strafregister vorgeschrieben. Das Tragen des schwarzen Gürtels ist mehr als eine Ehre: «Man ist ein Meister und hat Vorbildfunktion, da gehört gutes Benehmen einfach dazu.»

Sengül besucht in Aarau die Abschlussklasse der Diplommittelschule. Ihr Berufsziel ist Lehrerin, am Wohnort Othmarsingen hat sie letztes Jahr an der Schule ein Praktikum absolviert. Wenn es reicht, besucht sie vor Beginn des Lehrerseminars noch zwei Jahre lang die Kantonsschule. Sie geht gerne zur Schule, das Wort Lehrer hat für sie positive Bedeutung. Nach anderthalb Stunden Training montieren die Teilnehmer ihre Schutzausrüstung. Es folgen einige Runden im Sparringkampf. Die Augen der Kämpfer fixieren den Gegner, die Füsse trippeln unentwegt über den Boden. Falls Sengül bemerkt, dass sie von ihren Sparringpartnern geschont wird, werden ihre Kicks umso heftiger. «Wir müssen bei ihr alles geben», meint ein Trainingskollege. Die letzten zehn Minuten des Trainings sind dem «cool down» gewidmet. Der Puls kommt langsam runter. Es ist ganz still im Raum. «Jetzt fühle ich mich total gut», sagt eine aufgestellte Sengül Güzel vor dem Heimweg.

WM-Gala in Wohlen: Samstag, 17. Januar, Hofmatten. Hauptkampf: Weltmeistertitel der WKA (World Kickboxing Associa tion) zwischen Fatih Kademlioglu, Türkei, und Lokalmatador Rocco Cipriano. Vorverkauf: Vitasport, Anglikon, Tel. 056 611 13 10.

«Fröhliche Rose» weiss sich zu wehren Sengül Güzel im Kickbox-Training. bwi


KICKBOXEN
Kickboxen ist eine Sportart, die Anfang der Siebzigerjahre aus einer Mischung von Karate und Boxen entstanden ist. Es wird dabei zwischen Semi-, Light-, Fullcontact mit oder ohne Low-Kicks unterschieden. Ein Zweikampf, in dem nach strengen Regeln mit Füssen (kicken) und Fäusten (boxen) gekämpft wird. Ein Sport, welcher technisches Können, gute Kondition, taktische Intelligenz, moralische Qualifikation, Beweglichkeit und einen starken Willen voraussetzt. (bwi)

Zeitungsbericht / Yves Studer

[Go To Best Hit]

© Aargauer Zeitung / MLZ; 16.01.2004; Seite 1

Sport Aargau

Nahkampfübungen mit dem Sturmgewehr

BOXEN · Yves Studer: WEF-Einsatz als «Vorbereitung» für seinen Kampf morgen Abend in Wohlen

Wenn Yves Studer am Samstagabend gegen den Italiener Riccardo Camuffo in den Ring steigt, wird es das letzte Mal sein, dass ihm Vater Franz als Coach zur Seite steht. Unlängst haben sich die beiden getrennt, gehen von nun an, was das Sportliche anbelangt, getrennte Wege. «Rausgeschmissen», sagt Yves Studer, «hat mich mein Vater allerdings nicht.» Sie hätten einen Abend lang darüber diskutiert, am nächsten Morgen habe er seine Koffer gepackt und sei abgereist. «Es war mein Entscheid. Wenn wir ‹Lämpe› hätten, würde er mich am Samstag wohl kaum noch nach Wohlen begleiten.»

Studer wohnt mittlerweile bei seiner Freundin im bernischen Laupen und trainert unter Roberto Quaranta beim Boxclub Villars-sur-Glâne, unweit seines Geburtsortes Fribourg. Den Vorwurf seines Vaters, er sei ausserhalb des Rings unprofessionell aufgetreten und habe sich weder um Journalisten noch um seine Sponsoren gekümmert, weist er von sich. «Die meisten Leute kenne ich gar nicht.» Wenn sie auf ihn zugekommen seien, habe er sich auch mit ihnen unterhalten. «Es ging um etwas anderes», fügt Studer an, «und ich habe verstanden, was mir mein Vater damit sagen wollte.» Nichts, was für die Öffentlichkeit bestimmt wäre.


Bewachungsaufgaben statt Training
Die Vorbereitung auf den letzten gemeinsamen Auftritt im Boxring wurde insofern gestört, als dass der 21-Jährige in dieser Woche in den WK einrücken musste. In Landquart stationiert, bereitet sich der Füsilier-Soldat für den Einsatz am Wirtschaftsforum (WEF) in Davos vor. Hauptaufgabe: Gebäude bewachen. Für Boxtrainings blieb dabei keine Zeit, «den Nahkampf haben wir nur mit dem Sturmgewehr geübt. Ich habe aber vorher viele Sparrings absolviert.»

Der Italiener Riccardo Camuffo, sein Gegner in der Wohler Hofmattenhalle, bereitet ihm keine Sorgen. Ebenso wenig sorgt er sich um Rocco Cipriano, seinen Trainingspartner, der direkt nach ihm in den Ring steigen und als Höhepunkt des Abends gegen Fatih Kademlioglu um den WKA-Titel im Kickboxen kämpfen wird. «Er ist bereit. Ich bin es auch. Und ich will dem Publikum etwas bieten.» (pat)

Bereit Yves Studer tritt in Wohlen zum letzten Mal mit Vater Franz auf.

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