Rocco Cipriano krönt seine Karriere und die WM-Gala mit einem Sieg

Das Strahlen eines Weltmeisters

Wohler Anzeiger 04.01.2008

Rocco Cipriano krönt seine Karriere und die WM-Gala mit einem Sieg über Sinisa Kovacic

Es war das Ende eines spektakulären Abends und das Ende einer grossartigen Karriere: Rocco Cipriano verteidigte die WM-Krone – der Wohler Hexenkessel kochte über.


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Der Kroate Sinisa Kovacic ging auf Rocco Cipriano zu und umarmte ihn. Und das vor der letzten Runde des Highlights des Abends – dem letzten WM-Kampf von Cipriano. Die beiden Spitzenkämpfer hatten bis dahin ohne Gnade gekämpft und einen Kampf auf höchstem Niveau gezeigt.
Doch es war bereits vor dem letzten Durchgang klar: Cipriano wird als Sieger aus seinem letzten Fight hervorgehen. Und so war es auch: Als der Schlussgong ertönte, brachen in der Hofmattenhalle bei den 1000 Zuschauern alle Dämme. Der Wohler riss die Arme in die Luft, sackte auf die Knie und schrie seine Freude heraus. Die Zuschauer tobten und ehrten den abtretenden Ausnahmekönner mit minutenlanger stehender Ovation. Es herrschte Gänsehautfeeling.

Der Schlusspunkt eines spektakulären Abends war gelungen, die Krönung für die Karriere des dreifachen Weltmeisters perfekt. Noch fast zwei Stunden nach dem Siegesurteil stand Cipriano im Ring, schüttelte unzählige Hände, verteilte Autogramme und posierte für die Kameras. Und dabei tat er vor allem eines: Er strahlte über beide Ohren. «Es tut gut, so strahlen zu können», sagte ein sichtlich erleichterter Cipriano. Mit seinem Sieg über Kovacic holte sich der Wohler die gewünschte Kirsche auf der Torte. Seine Schützlinge Franco Caruso, Toni Cerundolo und Sengül Güzel hatten zuvor mit Soulstar Seven den Gästen eingeheizt und die Temperatur zum Sieden gebracht. Cipriano war zum Abschluss dafür besorgt, dass die Stimmung überkochte.


© Aargauer Zeitung / MLZ; 31.12.2007; Seite 27
Sport Aargau

Kickboxen Rocco Cipriano verteidigt beim Abschiedskampf seinen WM-Titel
Bei seinem letzten Auftritt auf internationalem Parkett demonstrierte der Wohler noch einmal die gesamte Bandbreite seiner Qualitäten. Vor heimischem Publikum gelang Rocco Cipriano die erfolgreiche Titelverteidigung gegen Sinisa Kovacic, den Pitbull aus Split.


Andreas Fretz
Es geschah vor der zwölften und letzten Runde, seiner letzten Runde. Soeben hatten Rocco Cipriano und Sinisa Kovacic freundschaftlich die Fäuste gegeneinandergehalten, da machte der Aargauer seinen Gegner auf ein Missgeschick aufmerksam: Der Kroate hatte vergessen, seinen Mundschutz einzusetzen. Gelächter füllte die Halle in der Hofmatten und der Herausforderer stürzte in seine Ringecke, um das Versäumte nachzuholen. Der Pitbull aus Split bekam seinen Maulkorb.

Diese Szene passt in die glanzvolle Karriere des 39-jährigen Wohlers: Konzentriert bis in die letzte Runde, stets ein Gentleman, besorgt um das Wohlergehen seines Gegners. Bei seiner Abschiedsgala demonstrierte Cipriano ein letztes Mal all die Qualitäten, die diese aussergewöhnliche Karriere ermöglicht haben. Eine Karriere, die in der Aargauer, wenn nicht gar in der Schweizer Kampfsportszene ihresgleichen sucht, obwohl ihr die ganz grosse öffentliche Aufmerksamkeit nie zuteil wurde.

Es war ein ehrenvolles Ende einer Ära, deren Bilanz sich sehen lässt. Cipriano verlässt die Bühne als dreifacher Weltmeister (Version WAKO, WPKC und WKA), hat viermal erfolgreich den Titel verteidigt und ging aus sieben seiner acht WM-Kämpfe als Sieger aus dem Ring. «Wir haben Rocco die Bühne für einen würdigen Abschied bereitet», freute sich OK-Mitglied Philipp Stöckli. Zwar blieb das Zuschaueraufkommen mit über 1000 Eintritten ein wenig unter den Erwartungen, der Stimmung und der Freude über den geglückten Abgang von der internationalen Bühne tat dies keinen Abbruch.

Cipriano selbst sprach von «der Kirsche auf der Torte», «vom bedeutendsten Sieg meines Lebens». Massgeblichen Anteil am spannenden Kampf hatte auch der Herausforderer aus Kroatien, Sinisa Kovacic, der Pitbull aus Split. Lange hielt er das Geschehen offen, zwang Cipriano, die Taktik zu ändern, und forderte dem abtretenden Champion alles ab. Erst nach der 10. Runde, in der Cipriano ein wahres Feuerwerk zündete und der Gegner zweimal angezählt wurde, fühlte sich der Aagauer Familienvater seiner Sache sicher. Er habe sich an ein Zitat des legendären Muhammad Ali gehalten, erklärte Cipriano seine Taktik hinterher: «Fliege wie ein Schmetterling, steche wie eine Biene.» Zwei der drei Kampfrichter sahen den Wohler als Sieger, dass der Kroate ein 115:115 auf seinem Wertungsblatt stehen hatte, ist nun mal Teil dieses Sports.

Das Urteil wurde am Samstag, 23.49 Uhr, rund 40 Minuten nach Kampfbeginn verkündet. Doch für Cipriano war damit der Abend im Ring noch lange nicht zu Ende. 1.10 Uhr zeigten die Zeiger als er nach unzähligen Gratulationen, Autogrammen und Interviews den Ring in Richtung Dusche verliess, um später beim Abschlussapéro weitere Hände zu schütteln. Einen Rücktritt vom Rücktritt werde es nicht geben, verkündete Cipriano, auch wenn er die Form vielleicht noch ein, zwei Jahre halten könnte. «Rocco ist als Weltmeister zurückgetreten, das ist eine Ehre für ihn und für uns», sagte sein Betreuer Beat Richner. «Alles hat ein Ende, es ist der richtige Zeitpunkt zum Aufhören», sagte Ciprianos anderer Betreuer, Toni Cerundolo.

«Fliege wie ein Schmetterling, steche wie eine Biene»