Rocco verteidigt WM Titel

Kickboxen: Rocco Cipriano verteidigt seinen Kickbox Weltmeistertitel gegen David Buzzetta (Belgien)

Bericht Wohler Anzeiger

«Wie ein Befreiungsschlag»

Der grosse Sieger am 3. Internationalen Boxmeeting Baden ist ein Freiämter. Mit der Ruhe und Abgeklärtheit eines erfahrenen Kämpfers hielt der 39-jährige Rocco Cipriano seinen Herausforderer in Schach.

lwa -- Knapp wars. Der belgische Herausforderer David Buzzetta erwies sich als erwartet harten Prüfstein für Rocco Cipriano. «Ich bin überglücklich, das ist wie ein Befreiungsschlag», sagte der alte und neue Champion. Und bedankte sich beim Publikum für die gute Unterstützung.

Rund 500 Zuschauer schrien, klatschten und pfiffen den Wohler durch neun schweisstreibende Runden. Ciprianos Pluspunkt war vor allem seine Anpassungsfähigkeit. Immer wieder vermochte er auf die agilen Angriffe seines belgischen Herausforderers zu reagieren. «Aber auch mein Glaube an den Sieg und meine Zielstrebigkeit haben mir diesen Titel gebracht.» Cipriano sprach nach dem Kampf von einer für ihn emotional schwierigen Vorbereitung.


Letzte Titelverteidigung?
Damit ist es geschafft, der Gürtel der «World Professional Kickbox Council» bleibt im Freiamt. War es Ciprianos letzte Titelverteidigung? «Wenn sich dieses Jahr ein Abschiedskampf auf internationalem Niveau ergibt, noch so gerne», sagte der Titelverteidiger. Er sei allerdings seit über 20 Jahren im Geschäft, lange werde er nicht mehr dabei sein.

Man merkt Cipriano jedoch an, dass er noch lange weitermachen könnte. Freudenstrahlend und mit dem nötigen Stolz nahm der 39-Jährige die Gratulationen seiner zahlreichen Fans entgegen. Und so lange keiner kommt, der dem Freiämter Ausnahmekämpfer den Meister zeigt, gibt es ja auch keinen Grund, von der internationalen Kickbox-Bühne abzutreten.

Impressionen

Bericht AZ

© Aargauer Zeitung / MLZ; 04.06.2007; Seite 24
Sport Aargau

Mit Schweiss und Blut
Kickboxen Rocco Cipriano verteidigt in Baden seinen WM-Titel

Mit einem äusserst hart erkämpften Punktesieg hat Rocco Cipriano am Samstag in Baden seinen Weltmeistergürtel des WPKC im Kickboxen verteidigt.
«Nun löst sich endlich die über lange Zeit aufgebaute Spannung», freute sich der sichtlich gezeichnete Rocco Cipriano (38) nach der erfolgreichen Pflichtverteidigung seines WM-Titels des World Professional Kickboxing Council (WPKC) in der Badener Aue. Der Freiämter trug einen tiefen Cut über dem rechten Auge, den ihm sein um 13 Jahre jüngerer belgischer Widersacher David Buzzetta im Kampf ungewollt beim Zusammenprall der Köpfe zugefügt hatte. Die Auseinandersetzung war eines Weltmeisterschaftsfights jederzeit würdig. Cipriano überliess vor fast 500 Zuschauern dem Belgier in den ersten Runden die Initiative, ohne aber gross in Gefahr zu geraten. Nur als sich der sympathische Freiämter die Wunde zuzog, bestand für kurze Zeit Anlass zur Sorge.

Der agile, fast ein bisschen schmächtig wirkende Italo-Belgier Buzzetta hatte es faustdick hinter den Ohren, war der erwartet unbequeme Gegner. Der Europameister von 2005 im Full Contact hat vor allem im boxerischen Bereich enorm zugelegt, im Kampf vor drei Jahren beschränkte sich Buzzetta noch stark auf seine Fussschläge. «Er war früher viel berechenbarer als heute, jetzt hat er auch eine fast ansatzlose Hinterhand, ist hungriger und besser geworden», resümierte Cipriano die Leistung seines Gegners.

Anpassungsfähig wie Rocco Cipriano ist, konnte er jeweils schnell auf die taktischen Marschroutenänderungen des Herausforderers reagieren und immer wieder entscheidende harte Treffer landen. Zwar entschieden die drei Punktrichter einstimmig, doch das Ergebnis war knapper, als es auf den ers- ten Blick scheint. Das Geschehen war lange Zeit sehr ausgeglichen. In drei Runden hatte Cipriano aufgrund vieler Wirkungstreffer klar die Nase vorn, die restlichen sechs wurden unentschieden gewertet. Die beiden Sportler zeigten dem Publikum attraktiven Kampfsport auf höchstem Niveau. In der letzten Runde ging der Aargauer nochmals tüchtig in die Offensive, wie wenn er seiner grossen Willensleistung noch die Krone aufsetzen wollte. «Als Routinier hat man es im Gefühl, wenn man nochmals zulegen muss», erklärte er.

Cipriano will seiner Profikarriere im Kickboxen in diesem Jahr ein Ende setzen. Höchstens ein weiterer Herausforderer könnte ihn in den kommenden Monaten nochmals, aber sicherlich das letzte Mal in den WM-Ring steigen lassen. «Ein Abschied wie jener des Radfahrers Miguel Indurain, der jetzt im Hintergrund seinem Sport frönt», schwebe ihm vor. Dann wird er auch wieder mehr Zeit für seine Frau und sein kleines Söhnchen haben. Der Kleine war auch der Erste, den der alte und neue Champion nach geschlagener Schlacht in die muskelgestählten Arme schloss. David Buzzetta und sein Gefolge ertrugen die Niederlage mit sportmännischer Fassung.
Debütsieg von Martinez

Auch die Rahmenkämpfe des Kickbox-WM-Titelfights hatten es in sich. Insbesondere der beim Badener Boxfachmann Walter Grimm unter Vertrag stehende und in Möhlin wohnhafte Blas-Miguel Martinez (25) wusste zu überzeugen. Gegen den Slowaken Robert Melo gewann er durch technischen K. o. in der 5. Runde. Martinez kämpfte sehr intelligent und konnte den sich mit Fortdauer des Gefechts einigelnden Osteuropäer mit Aufwärtshacken einige Male mit grosser Wirkung treffen. Insbesondere im fünften Umgang setzte er Melo entscheidend zu. Der Staffelwettkampf zwischen dem veranstaltenden Box-Ring Baden und Istanbul Tekel Boxclub (Türkei) endete 5:5 unentschieden. Baden trat dabei mit zwei Eigengewächsen und drei Gästen aus Zürich und Knielingen (D) an. Stimmung kam insbesondere beim offenen Schlagabtausch zwischen Ardian Krasniqi (Baden) und seinem Kontrahenten Adem Bozkurt auf. Krasniqi gewann knapp nach Punkten. (A.W.)