Hüseyin Dirlik wird Junioren-Vize-Europameister!!

Junioren-Europameisterschaft in Pula

Die Hafenstadt Pula war sein Ziel, eine Medaille nicht unbedingt. Mit Silber ist Hüseyin Dirlik heimgekehrt.

ANDREAS FRETZ

Im Kleinbus machten sie sich auf die Reise – die besten sieben Nachwuchs-Kickboxer der Eidgenossenschaft und zwei ihrer Trainer. Die kroatische Hafenstadt Pula war ihr Ziel, eine Medaille nicht unbedingt. «So gut wie möglich kämpfen und so weit wie möglich kommen», formulierte es Hüseyin Dirlik. Dirlik ist einer von vier Wohlern im siebenköpfigen Schweizer Kader. Und Dirlik ist derjenige, der für einen Exploit sorgte, der die Heimreise im Kleinbus mit einer Medaille um den Hals antrat. Er ist nun Vize-Europameister der Junioren im Kickboxen in der Kategorie bis 84 kg. Am Sonntagabend kam die Schweizer Delegation zu Hause an. Tags darauf wollte Dirlik, der im Oktober 18 wird, wie jeden Montag ins Training. Doch die Kollegen hatten für eine kleine Überraschung gesorgt. Beim Eingang vom Kickboxing Wohlen warteten Vereinsmitglieder, Trainer, seine Eltern und die Schwester auf den Medaillengewinner. Wäre dazu ein Vertreter der Behörden im Spalier gestanden, es wäre ein weltmeisterlicher Empfang gewesen. Fackeln wurden gezündet, Blumen überreicht und Champagnerflaschen geöffnet. Dirlik, ob so viel Ruhm und Ehre etwas verlegen, war sichtlich überrascht. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, nach der Zeremonie ein leichtes Training zu absolvieren. Seit er zehn Jahre alt ist, betreibt Dirlik diesen Sport.


«Ich bewundere seinen Charakter und wäre gerne so gut wie er»
Rocco Cipriano, der mehrfache Kickboxing- Weltmeister aus Wohlen, ist sein Trainer. «Rocco ist sehr wichtig für mich», sagt Dirlik, «er ist mein Vorbild, ich bewundere seinen Charakter und wäre gerne einmal so gut wie er, sagte Dirlik, der in Villmergen eine Lehre zum Flexodrucker absolviert. Der zweite Platz an den EM in Kroatien ist bisher Dirliks grösster Erfolg, doch ein unbeschriebenes Blatt ist der Weltcup- Sieger von Rimini 2009 nicht. So stark wie in Pula war die Konkurrenz allerdings noch nie. Die Wohler Nationalteam- Kollegen Florian Rast (bis 69 kg), Danylo Mancari (bis 52 kg) und Jenny Breitschmid (bis 55 kg) trafen früh auf gute Gegner und mussten die Segel streichen. Hüseyin Dirlik fand erst im Final im Italiener Maurizio Tassero seinen Bezwinger. Zuvor hatte er dreimal den Ring als Sieger verlassen. «Ich war vor dem letzten Kampf ziemlich nervös», gibt Dirlik zu. Zwar fühlte er sich gut, da er den Final erreicht hatte, «aber ich spürte auch den Druck. Denn wenn ich im Final bin, will ich auch gewinnen.» Zum ganz grossen Triumph hats zwar nicht gereicht, aber dank dem Podestplatz übernimmt nun der Verband die Hälfte von Dirliks Reise- und Logiskosten. Die mussten die Junioren nämlich selbst bezahlen, und das Hotel in Pula hatte fünf Sterne.