Bronze für Sengül Güzel aus Othmarsingen im Light-Contact

© Aargauer Zeitung / MLZ; 02.12.2008 / Aargauer Kickboxer räumen an der EM ab

Das Schweizer Kickboxing-Nationalteam reiste mit acht Athletinnen und Athleten an die Europameisterschaften nach Portugal. Zwei Aargauer kehrten mit einer Medaille zurück.


Rainer Sommerhalder
Für Sengül Güzel hat sich das Motto «Spinat statt Snickers» gelohnt. Zwar ist nicht Popeye, sondern Rocco Cipriano ihr Trainer, doch der Gewichtswechsel für die Europameisterschaften (von ›60 kg zu ›55 kg) brachte der 24-jährigen Schweizerin türkischer Abstammung Glück. Sie feierte in Portugal ihren bisher grössten Erfolg und schloss ein beinahe optimales Kampfjahr perfekt ab.

Knappe fünf Kilogramm hat die angehende Oberstufenlehrerin für den Saisonhöhepunkt abgenommen. Sie ist an der Light-Contact-EM erstmals überhaupt in der tieferen Gewichtsklasse angetreten. «Der Verband hat mich gefragt, ob ich das machen könne. So war es einer weiteren Schweizer Kämpferin möglich, in Portugal zu starten», erklärt Güzel den Ursprung dieser Idee. Als bekennende Schokoladenliebhaberin brauchte es einige Überwindung, zur Znünipause nun Früchte anstatt Snickers mitzunehmen und zum Mittagessen Spinat anstatt Dessert zu vertilgen. Doch das Resultat lässt sich in jeder Hinsicht sehen. «Ich war selber überrascht, wie gut ich mich dadurch fühlte.» Der dritte Platz nach einem Sieg gegen die letztjährige WM-Zweite aus Ungarn war verdienter Lohn für ihre Anstrengungen.

Anstossen konnte Güzel in Portugal gleich doppelt und dazu auch noch mit einem anderen Aargauer. Sie selber feierte nicht nur Bronze, sondern auch noch ihr 10-Jahr-Kickbox-Jubiläum. Für den 23-jährigen Pascal Blunschi aus Windisch war es im Gegensatz zur Freiämterin nicht das erste Edelmetall an einem Grossanlass.

Sengül Güzel freut sich jetzt auf die beschauliche Weihnachtszeit. Nicht nur, weil Schokoladen-Kugeln am Weihnachtsbaum nun mal besser wirken als Blumenkohl, sondern auch, weil sie mit mehr als 50 Kämpfen in diesem Jahr ein Mammutprogramm in den Ring legte. «Die meisten davon habe ich gewonnen», sagt die Powerfrau stolz. Aufgrund ihrer Erfolge an den Meisterschaften erhielt sie den Titel «Best Fighter 2008» verliehen. Während sie national sowohl an Light-, Semi- wie auch an Full-Contact-Wettkämpfen teilnimmt und dadurch an manchen Turnieren bis zu zehn Kämpfe absolvieren muss, konzentriert sie sich international auf die Light-Version des Kickboxens, in welcher es darum geht, mit technisch möglichst perfekten Treffern zu punkten.

«Welcher Stil ist mir egal, Hauptsache, ich kann kämpfen», sagt die 24-Jährige und deshalb ist auch klar, dass sie trotz Schokoladensünden über die Festtage hinausblickt und bereits die nächstjährige WM in Österreich ins Visier nimmt. Doch zuerst ging es mehr oder weniger direkt vom Flugzeug aus Portugal ins Wohler Trainingslokal. «Die Bronzemedaille muss ich meinem Trainer Rocco Cipriano abgeben», scherzte die Studentin. In die Kickboxing-Schule nahm sie aber nicht nur ihre Medaille mit, sondern auch die Trainingskleider. Auch das passt zu Sengül Güzel: Wieso feiern, wenn man auch trainieren kann?