Sengül Güzel Berichte

Bericht Wohler Anzeiger - Sengül Güzel Schweizer Meisterschaft 2005

Das letzte Qualifikationsturnier fand in Meiringen statt. Rund 300 Kämpfer nutzten die letzte Chance, um Punkte für die Wertung in der Schweizer Meisterschaft zu sammeln. Einige Titelentscheidungen fielen erst im letzten Kampf. Dies war bei Sengül Güzel der Fall. Sie hatte sich den Titel im Leichtkontakt punktemässig bereits gesichert. Doch in der Semi-Klasse war sie punktgleich mit Patrizia Berlingieri, der amtierenden Schweizer Meisterin und ehemaligen Junioren-Weltmeisterin.

Der Kampf erwies sich als Highlight des Tages. Technisch hochstehend und mitreissend. Die Zurufe der Fanclubs waren überwältigend. Die Halle kochte förmlich. Der Wohler Fanclub vermochte sogar die einheimischen Fans zu übertönen. Dies beflügelte Sengül Güzel. Sie schaffte es, Berlingieri den Titel zu entreissen und Doppelmeisterin zu werden, im Semi und im Light.

Bedauerlich ist einzig, dass der Naticoach bereits vor einiger Zeit, Berlingieri für die Europameisterschaft nominierte. So kann es nun passieren, dass die beste Kämpferin des Landes zuhause bleibt und die Zweitplatzierte an die EM fährt… 

Sengül ist die erste Kickboxerin aus Wohlen, die einen Meistergrad erreicht hat (7.5.2005)

Daher ist es eine besondere Freude, dass sie diese harte Prüfung bestanden hat.

DIE KICKBOXINGSCHULE WOHLEN GRATULIERT HERZLICHST FÜR DIE BESTANDENE SCHWARZGURTPRÜFUNG!

Wohler Anzeiger: Sengül Güzel als «Best Fighter» gekürt

Mit rund 300 Teilnehmer aus der ganzen Schweiz fand in Delémont der Auftakt zur Schweizer Meisterschaft des Swiss Kickboxing Federation (SKBF) in Semi- und Light-Kontakt statt. Für die Kickboxingschule Wohlen lohnte sich der Abstecher in die Westschweiz mehrfach.

Mit einem Turniersieg im Semi-Kontakt und einem weiteren im Light-Kontakt erkämpfte sich Sengül Güzel 13 Meisterschaftspunkte und schloss das Turnier als «Best Fighter» ab. Auch in der Mannschaftswertung hatte die Kickboxingschule Wohlen die Nase vorn. Mit 84 Punkten platzierte sich Wohlen auf dem ersten Rang vor Kun-Tai-Ko Basel und KB Meiringen.

© Aargauer Zeitung / MLZ; 25.05.2005 Sport Aargau Zeitung

Kickboxen In Buchs ist der 2. Aargauer Cup mit aufschlussreichen Kämpfen über die Bühne gegangen.

Sengül Güzel vom Kickboxing Wohlen ist bei den Frauen das Mass aller Dinge.
Sengül Güzel ist 20 Jahre jung, wohnt in Othmarsingen und besucht die Kantonsschule in Aarau. Wer ein längeres Gespräch mit Güzel führt, merkt rasch: Diese Lady ist nicht wie tausend andere, obwohl in ihren Augen ein gewisser Schalk auszumachen ist und sie im Schulsport Volleyball gewählt hat: «Leider sind meine Freundin und ich öfters nicht zum Sport erschienen, und wenn wir in der Turnhalle waren, haben wir mehr geschwatzt als gespielt.»

Die Mädchen brauchten mehr Action. Deshalb meldeten sie sich in Wohlen zu einem Kickboxtraining an. Und die damals 14-jährige Sengül war sofort begeistert. Sie schwänzte plötzlich keine Trainings mehr, und der Schalk war nicht mehr in den Augen zu finden. Wenn sie vor einem Fight steht, ist sie plötzlich grimmig, wild entschlossen und hoch motiviert. Die Gegnerinnen werden förmlich von Kick und Faustschlägen überrollt. Am Aargauer Cup in Buchs (der für die Schweizer Meisterschaftswertung zählt) konnte keine Güzel das Wasser reichen. Sie gewann in den Kategorien Semi und Light und wurde erst in den Finalkämpfen gefordert. Ihr Selbstvertrauen ist so gross, dass sie im Semi extra eine Gewichtsklasse höher kämpfte. «Mein Ziel war, mich mit der Junioren-Weltmeisterin Patrizia Berlingeri zu messen.»

Güzel konnte Berlingeri erst einmal besiegen, Anfang Mai beim Jura-Cup in Delémont. Jener Sieg schien die 20-Jährige zu beflügeln. Auch in Buchs kämpfte sie offensiv und besiegte Berlingeri mit 7:6. «Wahnsinn, dass ich Patrizia wiederum geschlagen habe.» Und auch im Light zeigte Sengül keine Schwäche, gewann den Final mit 2:1-Richterstimmen. Seit diesem Monat ist sie Inhaberin des schwarzen Gürtels.

Von Markus Zinniker

Kampf mit Füssen, Fäusten und Köpfchen

© Aargauer Zeitung; 15.01.2004; Seite 2

Lenzburg
PORTRÄT · Sengül Güzel, Kickboxing-Meisterin aus Othmarsingen, tritt am Samstag an der WM-Gala in Wohlen an

Seit Monaten trainiert die Diplommittelschülerin Sengül Güzel aus Othmarsingen mit viel Disziplin für ihren bevorstehenden Kampf an der WM-Gala in Wohlen. Die 19-Jährige kann bereits grosse Erfolge verzeichnen. Ein Trainingsbesuch.

Brigitte Widmer

Im Raum der Kickboxing-Schule Wohlen beginnt die Lektion mit lockerem Seilspringen. Eine Minute lang. Zuhinterst die Anfänger, vorne die Fortgeschrittenen mit ihren blauen, braunen oder schwarzen Gürteln. Sengül (sprich: Schengil) steht in der vordersten Reihe. Sie hat sich in den vergangenen Jahren langsam vorgearbeitet und ist stolz, an diesem Platz trainieren zu dürfen. Nochmals eine Minute Seilspringen, aber jetzt mit Tempo. Sengül Güzel ist 19 Jahre alt, ihr Körper gleicht der einer Balletteuse: gross, schlank, lange Beine. Doch vor fünf Jahren hat sie sich für Kickboxing entschieden. Eine Freundin wollte damals an ein Schnuppertraining, Sengül begleitete sie und beide blieben hängen. Seither besucht sie regelmässig die Kickboxing-Schule in Wohlen. «Es hat mir bei der ersten Lektion den Ärmel reingenommen.» Dreissig Sekunden Pause, dann wieder Seilspringen, Tempo nochmals steigern. Durchatmen, der Puls rast.


Meistertitel in Serie

Sengül verzeichnet bereits grosse Erfolge. In drei Jahren gewann sie regelmässig den Schweizer-Meister-Titel im Semicontact bis 60 Kilo. Letztes Jahr wurde sie Vizemeisterin im Fullcontact. Seit Monaten bereitet sie sich auf den Kampf vom Samstag gegen Brigitte Pfister (Biel) im Fullcontact vor. Nach einer Viertelstunde werden die Spring-seile weggelegt, es folgen deftige Dehn- und Kraftübungen. Normalerweise besucht die junge Frau zwei bis drei Trainings pro Woche. Momentan steht die aktive Sportlerin fünf, sechs Abende in der Halle. Wettkämpfe seien eine gute Sache. Man kann sich messen, sieht, wo man steht. Gewonnene Kämpfe geben ein wunderbares Erfolgsgefühl und stärken den Selbstwert. «Blaue Flecken und Niederlagen sind rasch vergessen und spornen mich erst recht zum Weitermachen an.» Kickboxen ist ein freundschaftlicher Sport. Die Verletzungsgefahr ist dank Sicherheitsausrüstungen an Kopf, Händen und Füssen sowie Zahn-, Schienbein- und Tief- bzw. Brustschutz gering. Je zwei Schüler setzen kraftvolle Fussschläge auf ein schwarzes Kissen: Technik-Training.


Es gibt Kraft und nimmt die Furcht

Die Faszination für den Sport liegt für Sengül in der Kombination der Techniken Karate und Boxen. Kondition, Kraft, Schnelligkeit, autogenes Training und Atemübungen; das Körpertraining ist ganzheitlich aufgebaut. Es gibt ihr Kraft und nimmt ihr Furcht. Sie weiss sich im Alltag zu wehren. Alles, was sie sucht, findet sie im Kickboxen. Der Sport gibt den Sinn.

Sengüls Name ist türkisch und bedeutet «fröhliche Rose». Die ersten vierzehn Lebensjahre verbrachte sie in Dottikon, wo sie die Bezirksschule absolvierte. Seit fünf Jahren wohnt sie mit Eltern, drei Schwestern und Bruder in Othmarsingen. Im Herbst 2002 wurden die Geschwister an der Gmeind in Othmarsingen ins Schweizer Bürgerrecht aufgenommen. Sie habe zwei Heimaten, meint sie stolz. «Daheim leben wir türkische Traditionen, doch meine Freundinnen sind Schweizerinnen.» Im Vergleich zu den Kolleginnen sei sie eher streng erzogen worden. Trotz ihrer Volljährigkeit kann sie nicht einfach alles ausleben. «Für manche Dinge, die für meine Kolleginnen selbstverständlich sind, muss ich meine Eltern um Erlaubnis fragen.» Doch was ihr wirklich wichtig ist, setzt sie durch. Ihre Wertschätzung der Eltern ist sehr gross. «Alten Menschen Respekt zeigen, jungen Menschen Liebe geben.» Nach diesem türkischen Sprichwort versucht sie zu leben. Eltern und Geschwister sind ein Vorbild. Die ganze Familie unterstützt sie bei ihrem Hobby, chauffiert Sengül zum Training, begleitet sie an Wettkämpfe.

Im Trainingssaal folgen Übungen im Luft- oder Schattenboxen. Sengül beobachtet aufmerksam im grossen Saalspiegel das Geschehen um sie herum. Plötzlich fixieren ihre Augen den imaginären Partner. Auch Kickboxing-Schulleiter Rocco Cipriano (er kämpft am 17. Januar um den Weltmeistertitel der World Kickboxing Association) ist ein grosses Vorbild für Sengül. Seit 15 Jahren trainiert er gnadenlos seinen Körper. «Er zeigt uns, dass man es schaffen kann, wenn man etwas wirklich will.» Im Gegenzug beschreibt der Meister seine Schülerin als «musterhaftes Beispiel für unsere Schule». Nicht nur weil sie technisch gut ist, sondern weil ihr Charakter stimmt. Sie sei trotz ihrer Erfolge bescheiden geblieben.


Als Meister ist man Vorbild
Neben dem bevorstehenden Kampf möchte die Kickboxerin in diesem Jahr die Prüfung zum schwarzen Gürtel absolvieren. Dafür muss sie sich durch viele Aufgaben durchkämpfen. Sie vergleicht die Prüfung mit einer Lehre. Zusätzlich ist ein makelloser Auszug aus dem Strafregister vorgeschrieben. Das Tragen des schwarzen Gürtels ist mehr als eine Ehre: «Man ist ein Meister und hat Vorbildfunktion, da gehört gutes Benehmen einfach dazu.»

Sengül besucht in Aarau die Abschlussklasse der Diplommittelschule. Ihr Berufsziel ist Lehrerin, am Wohnort Othmarsingen hat sie letztes Jahr an der Schule ein Praktikum absolviert. Wenn es reicht, besucht sie vor Beginn des Lehrerseminars noch zwei Jahre lang die Kantonsschule. Sie geht gerne zur Schule, das Wort Lehrer hat für sie positive Bedeutung. Nach anderthalb Stunden Training montieren die Teilnehmer ihre Schutzausrüstung. Es folgen einige Runden im Sparringkampf. Die Augen der Kämpfer fixieren den Gegner, die Füsse trippeln unentwegt über den Boden. Falls Sengül bemerkt, dass sie von ihren Sparringpartnern geschont wird, werden ihre Kicks umso heftiger. «Wir müssen bei ihr alles geben», meint ein Trainingskollege. Die letzten zehn Minuten des Trainings sind dem «cool down» gewidmet. Der Puls kommt langsam runter. Es ist ganz still im Raum. «Jetzt fühle ich mich total gut», sagt eine aufgestellte Sengül Güzel vor dem Heimweg.

WM-Gala in Wohlen: Samstag, 17. Januar, Hofmatten. Hauptkampf: Weltmeistertitel der WKA (World Kickboxing Associa tion) zwischen Fatih Kademlioglu, Türkei, und Lokalmatador Rocco Cipriano. Vorverkauf: Vitasport, Anglikon, Tel. 056 611 13 10.

«Fröhliche Rose» weiss sich zu wehren Sengül Güzel im Kickbox-Training. bwi


KICKBOXEN

Kickboxen ist eine Sportart, die Anfang der Siebzigerjahre aus einer Mischung von Karate und Boxen entstanden ist. Es wird dabei zwischen Semi-, Light-, Fullcontact mit oder ohne Low-Kicks unterschieden. Ein Zweikampf, in dem nach strengen Regeln mit Füssen (kicken) und Fäusten (boxen) gekämpft wird. Ein Sport, welcher technisches Können, gute Kondition, taktische Intelligenz, moralische Qualifikation, Beweglichkeit und einen starken Willen voraussetzt.

(bwi)